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Besonderheiten der Hauländereien und Nennungen in Wolhynien

Gerhard König ⌂, Donnerstag, 30.10.2003, 05:19 (vor 8187 Tagen) @ Irene Kopetzke

Als Antwort auf: Re: Begriffe Hauländerei und Holländerei von Irene Kopetzke am 16. Oktober 2003 16:43:03:

Viele dieser Siedlungen gingen nach wenigen Jahren wieder ein, da das Tageswerk
vollbracht war und die Familien weiterzogen. Um so schwerer ist es heute, diese
Ortschaften ausfindig zu machen bzw. Angaben zu diesen zu finden.

Hierzu schreibt z.B. MAAS nachfolgende interessante Anmerkungen (siehe Quelle 1, S.152f):
... wenn auch viele Hauländereien als solche verschwanden oder wenigstens ihre Namen, das von ihnen urbar gemachte Land blieb, und wie oft habe ich [= Verfasser Walther MAAS] bei meinen Wanderungen in Kujawien und anderswo polnische Bauern angetroffen in Gehöften, deren Bauweise, Hausform und häufig sogar Inschriften im Hausbalken darauf hinwiesen, daß ein Deutscher, ein "Holländer" sie erbaute.
Man muß unterscheiden zwischen Moorkultivierung und Waldrodung. Das erste taten die Holländer an der Weichsel und ihre Nachkommen die sog. "Niederunger", dies taten auch die Hinterpommern, die man nach dem alten Namen dieses Landes (Herzogtum Kassubien) manchmal "Kaschuben" nennt, obwohl sie natürlich mit dem slawischen Volksstamm dieses Namens nichts zu tun haben ...[/b]

Und zur Bewirtschaftung in den Hauländersiedlungen schreibt MAAS an anderer Stelle (siehe Quelle 1, S.153):
... bei der Aenderung der Produktionsrichtung mehr nach der Seite der Viehzucht hin halfen die Holländereien, was bei den "echten" Holländern nicht weiter verwunderlich ist, aber auch für die Hinterpommern gilt .. in den Dörfern des Netzedistrikts 1772 .. wo die Hauländerdörfer weit mehr Kühe usw. aufweisen als die benachbarten polnischen Dörfer.

Daß die Hauländer neben der Urbarmachung des Landes, der Viehzucht und dem Ackerbau auch anderweitig tätig waren, darauf verweist ein kurzer Textausschnitt von LÜCK (siehe Quelle 2, S.25):
... Der polnische Schriftsteller J.J.Kraszewski, der vor 1840 Wolhynien bereiste, begegnete deutschen Einwanderern - er nennt sie Hauländer (Hollendrzy) - auf dem Markt in Janowce (Wolhynisch Polesien). "In vielen Orten", schreibt er, "haben sich arme Hauländer niedergelassen, die kleine Tuchfabriken betreiben ..."

Nun wieder zurück zum Herrn MAAS. Er hat ca. 1900 Hauländereien (in den Grenzen von vor 1938) zusammengetragen, davon 800 im Gebiet Posen, 800 im damaligen Kongreßpolen, 100 in der Grenz- und Neumark, 200 in Westpreußen und nennt zu Wolhynien folgende Ortschaften (siehe Quelle 1, S.153f):
Zabuzanskie Holendry, Kreis Luboml, Gemeinde Huszcza
Swierzenskie Holendry, Kreis Luboml, Gemeinde Huszcza
Holendry, Kreis Bresc, Gemeinde Przyborowo
Aleksandrowka Holendry, Kreis Kowel, Gemeinde Nowy Dwor
Holendry, Kreis Wlodzimierz, Gemeinde Korytnica
Siemieniowka Holendry, Kreis Wlodzimierz, Gemeinde Korytnica
Holendernia, Kreis Wlodzimierz, Gemeinde Poryck
Holendry, Kreis Krzemienice, Gemeinde Poczajow
Karolinka, Kreis Dubno, Gemeinde Dubno
Josefin, Kreis Luck
Oleskowice, Kreis Luck
Slobodzkie Holendry (Karlswalde), Kreis Ostrog

Quellen:

1 W.MAAS: "Die Hauländereien im ehemaligen Polen" mit zwei Faltkarten, Deutsche Monatshefte in Polen, Jahrgang 1939/40, S.149-156

2 K.LÜCK: Abschnitt 5. "Deutsche Aufbaukräfte in Wolhynien" in KARASEK/LÜCK: "Die deutschen Siedlungen in Wolhynien - Geschichte, Volkskunde, Lebensfragen", Plauen, 1931


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