Re: Das 9te Gebot
als Pastor der Baptisten, seit kurzem im Ruhestand, versuche ich einen Beitrag zu schreiben zum Thema "Nicht begehren" und die Frage nach der Schuld.
In der betreffenden Zeit der 30er und 40er Jahre des vorigen Jhdts sahen sich viele Christen fast ausschließlich dem Bibelwort "der Obrigkeit untertan zu sein" verpflichtet (Römer 13). Für uns heute schmerzlich und schwer einzusehen, dass die Fragen nach Recht und Unrecht im Handeln von Staaten und Völkern von den einzelnen kaum gestellt wurden. Und wenn doch wurden diese Fragen im Sinne der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre beantwortet: der Christ hat in das Gebiet des Staates nicht einzugreifen, vielmehr anzuerkennen und sich dem unterzuordnen, was der Staat, die Regierung ihm vorgibt. Also im konkreten Fall, wenn der Staat einer Familie fremde Häuser, Ländereien zuweist, so trägt der Staat die Verantwortung nicht der einzelne. Die Ethik des einzelnen bezieht sich auf persönliches Leben, auf Familie und Gemeinde. Meist ging ja eine Vertreibung voraus, einer anderen Bevölkerungsgruppe oder ein Eroberungskrieg. Aber man beruhigte sich oft damit, dass dies Sache der Regierenden sei, die sich dafür durchaus vor Gott verantworten müsse. Anders stünde es erst, wenn eine Familie selbst ohne Auftrag von staatlichen Stellen eine Vertreibung vornehme. Erst dann kommt persönliche Schuld zum Tragen, so das Denken damals. Erst nach dem Krieg wurde Schuld/Mitschuld erkannt.
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- Das 9te Gebot -
Arno Giesbrecht,
27.07.2008, 15:34
- Re: Das 9te Gebot - Roland Fleischer, 04.08.2008, 19:56
- Re: Das 9te Gebot -
Hubert Zerbe,
16.08.2008, 15:41
- Re: Das 9te Gebot - Inge Wenzel, 05.11.2008, 18:39
