Avatar

Re: Umsiedler

Gerhard König ⌂, Freitag, 25.09.2009, 01:40 (vor 6036 Tagen) @ Steffi Wolter

Hallo Steffi,

Dein Betreff habe ich mal abgekürzt, weil ich mit Deinen Bezeichnungen nicht viel anfangen kann.

mein Großvater stammt aus Romanowka (Lutsk) und ist 1940 mit seiner Familie umgesiedelt worden. Handelt es sich dann um eine Vertragsumsiedlung oder um eine Administrativumsiedlung?

In Folge der geheimen Zusatzprotokolle des Hitler-Stalin-Paktes im Jahr 1939 wurden die Machtgebiete beider Seiten definiert. Hitler zog mit seinen Truppen vom Westen bis zum Bug und die Rote Armee zog in das ehemalige polnische Gebiet vom Osten her bis zum Bug. Damit wurde Polnisch-Wolhynien von der Sowjetunion besetzt.

Lt. dem geschlossenen Pakt von 1939 wurden in allen von der Sowjetunion besetzten Gebieten Umsiedlungskommissionen gebildet. Zu diesen Kommissionen gehörten Personen aus dem Deutschen Reich und der Sowjetunion.

Somit wurde Dein Großvater mit seiner Familie lt. diesem Pakt umgesiedelt. DÖRING nennt in seiner Veröffentlichung für Luzk: Ortsbezirk Wo I/2, Abberufungsdatum 7.5.1940, Sammellager Oderberg, Bereitstellungslager Kirschberg, Ansiedlung im Reichsgau Wartheland: Kolo, Konin, Lask, Leslau, Nessau und Sieradsch.

Literatur: Stephan DÖRING "Die Umsiedlung der Wolhyniendeutschen in den Jahren 1939 bis 1940", Dissertation im Jahr 2000

Links: Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt + Sowjetische Besetzung Ostpolens

welche Staatsbürgerschaft die Bewohner von Romanowka vor ihrer Umsiedlung hatten.

Der überwiegende Teil hatte lt. meiner Kenntnis die polnische Staatsbürgerschaft und sehr wenige besaßen noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Eine genaue Auskunft kann nur ein Forscher geben, der Einblick in die verfilmten EWZ-Unterlagen für die Bewohner von Romanowka hat.

Ostwolhynien

... hatte eine ganz eigene Geschichte. Unter Stalin begannen die ersten Verhaftungen bereits zum Anfang der 1930er Jahre. Hier muß von einer Zwangsaussiedlung und Verbannung über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren gesprochen werden. Nur zwei Beispiele:

- Irenes Beitrag aus dem Jahr 2004 über ihre Eltern
- Wer Näheres zum Schicksal der Vertriebenen nach Karelien erfahren möchte, empfehle ich das Buch / den Film von Klaus Bednarz "Das Kreuz des Nordens - Reise durch Karelien".

gerhard


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum