Westwolhynien, Ostwolhynien, Hushcha, Kobilanke

Marina Jakobi @, Dienstag, 17.07.2007, 13:19 (vor 6872 Tagen)

Hallo und guten Tag!

Erst einmal vielen Dank an alle aktiven Forumsmitglieder! Durch einen Hinweis im Forum habe ich in den Datenbanken auf galizien-online (Westgalizien und Resettlements 1939) meine gesamte Familie mütterlicherseits gefunden. Meine Mutter ist wohl als letzte der Familie in Westwolhynien geborene: Am 2. Januar 1940, noch im Januar 1940 ist sie mit ihrer Mutter in das damals so genannte Warthegau umgesiedelt. Über die Datenbanken konnte einige meiner Vorfahren zurückverfolgen von Wolhynien über Kongresspolen, Westgalizien bis nach Rheinland-Pfalz. Das war ein echter Glücksgriff.

Die Familie meines Vaters stammt aus dagegen Ostwolhynien, in den 1920er Jahren sind sie Richtung Molotschna umgezogen. Ein Teil der Familie wurde 1944 nach Deutschland eingebürgert, andere sind in der ehemaligen Sowjetunion geblieben, einige sind spätausgesiedelt, einige leben heute noch dort. Der Unterschied ist auffällig: Während der westwolhynische Teil der Familie 1945 relativ geschlossen in Niedersachsen landete, ist der ostwolhynische Teil der Familie ziemlich versprengt. Das scheint eine typische Folge der unterschiedlichen Geschichte beider Teile Wolhyniens zu sein.

Meine erste Frage: Gibt es im Internet für die Umsiedlungen 1944 eine ähnliche Datenbank wie die Resettlements 1939 bei galizien-online? Diese sind ja ebenso über die EWZ erfasst und im Bundesarchiv einzusehen.

Zweite Frage: Durch Zufall habe ich eine Satellitenaufnahme des Ortes "Hushcha" in der Nähe von Luck, Ukraine gefunden. Meine Großmutter ist in "Huszcze" geboren, im Vergleich mit den alten Karten müsste es sich um den gleichen Ort handeln. Die Anordnung sieht auch so ähnlich aus wie es für die Ansiedlungen in Wolhynien typisch war. Sind einige der ehemaligen deutschen Siedlungen erhalten geblieben?

Meine dritte Frage betrifft einen Ort, den ich auf keiner Karte finden kann: Der Geburtsort meines Vaters ist mit "Kobilanke", Kreis Shitomir angegeben, alternativ habe ich in den Odessa-Datenbanken "Kobeljanke" als Geburtsort des Bruders meiner Großmutter gefunden. Meine Großmutter hat "Kobilanka", Kreis Shitomir als Ort ihrer Eheschließung angegeben. Der Ort wurde auf der alten Homepage von wolhynien.de in einer der Spendenliste genannt, die noch nicht wieder online sind. Weiß jemand etwas über diesen Ort, wo er lag?

Vielen Dank im Voraus und Grüße aus Norddeutschland,

Marina Jakobi

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Re: Kobilanke

Gerhard König ⌂, Dienstag, 17.07.2007, 18:03 (vor 6871 Tagen) @ Marina Jakobi

Hallo Marina,

Der Geburtsort meines Vaters ist mit "Kobilanke", Kreis Shitomir angegeben

In den russ. Ortsverzeichnissen ist der Ort wie folgt beschrieben:

  • 1888: Kolonie Кобылянка (Kobyljanka), Wolost Goroschki, Ujesd Shitomir, 144 Einwohner, 46 Werst bis Shitomir
  • 1906: Kolonie Кобылянка (Wolost + Ujesd s.o.), 17 Höfe, 1 Station, 110 Einwohner, 50 Werst bis Shitomir, 8 Werst bis Goroschki

Auf einer Karte konnte ich den Ort bisher nicht entdecken. Vermutlich liegt es an deren Ungenauigkeit und/oder den unterschiedlichen Schreibweisen.

Der Ort wurde auf der alten Homepage von wolhynien.de in einer der Spendenliste genannt

Diese Listen sind aus ehemaligen baptistischen Gemeinden. Welche Konfession hat/hatte Dein Vater?

gerhard

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Re: Kobilanke

Regina Steffensen, Dienstag, 17.07.2007, 19:13 (vor 6871 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Marina und Gerhard,

Auf einer Karte konnte ich den Ort bisher nicht entdecken...

Kopeljanka, 12 km nordwestlich von Tschernjachow, gefunden auf Jerrys Karte von Wolhynien.

Regina

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Re: Kobilanke

Gerhard König ⌂, Dienstag, 17.07.2007, 20:45 (vor 6871 Tagen) @ Regina Steffensen

Hallo Regina,

hier scheint es eine Differenz zu geben, denn die Entfernungsangaben passen nicht zusammen. (1 Werst = 1066 Meter) So habe ich nochmal im russ. Ortsverzeichnis von 1906 nachgelesen und siehe da, es gab noch einen zweiten Ort mit ähnlichem Namen. Dieser wurde aber als kleines russisches Dorf angegeben. Hier der Auszug:

* 1906: kleines russ. Dorf Копелянка (Kopeljanka), Wolost Fassowka, Ujesd Shitomir, 28 Höfe, 7 Stationen, 179 Einwohner, 35 Werst bis Shitomir, 12 Werst bis Fassowka

Der eingezeichnete Ort auf Jerrys Karte entspricht somit nicht der Kolonie Кобылянка (Kobyljanka) sondern diesem kleinem russischen Dorf Копелянка (Kopeljanka).

Marina,

hast Du eine Urkunde, um den genauen Ort zu bestimmen? Oder kannst Du noch jemanden befragen - z.B. nach dem nächsten größeren Ort?

gerhard

Re: Kobilanke

Marina Jakobi @, Mittwoch, 18.07.2007, 20:29 (vor 6870 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard,

vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Zu Huszce: Ich hatte auch davon gehört, dass von den ehemaligen deutschen Siedlungen nicht viel übrig ist und war deswegen erstaunt, diesen Ort auf dem Satellitenbild zu finden.

Zu Kobilanke: Ich habe nur westdeutsche Unterlagen, in denen als Geburtsort "Kobilanke, Kreis Shitomir" steht. Gespräche mit noch lebenden Verwandten haben mich bisher auch nicht weiter gebracht. Wenn es weiterhilft: Meine Großmutter und deren Eltern sind in Wolwachowka, Gebiet Pulin, Kreis Shitomir geboren, mein Großvater ist in Marjanowka, Gebiet Shitomir geboren. Die Konfession ist ev. luth. Über die Familie meines Großvaters, dessen Namen ich trage, weiß ich am wenigsten, da mein Großvater Richard Jakobi am 28. Januar 1939 in Tiegenhagen, Kreis Halbstadt durch die russische Polizei verhaftet wurde. Seine Spur verliert sich im Gefängnis von Militopol, er wurde 1962 für tot erklärt. Ich habe einmal eine Email an Memorial geschrieben, aber keine Antwort bekommen. Für mehr reichte meine Energie bisher nicht. Gibt es Erfahrungen, ob ein Brief vielleicht besser ankommt, mehr Chancen auf Antwort hat?

Gruß,
Marina

Re: Kobilanke

Astrid Schultes @, Mittwoch, 09.11.2016, 10:32 (vor 3469 Tagen) @ Marina Jakobi

Hallo, Marina,

ich hätte als Schreibweise noch "Kublanke/Russland" als Geburtsort meiner Uroma im Angebot. Auch dabei scheint es sich um eins von beiden zu handeln. Bist du mittlerweile klüger, wo da gesiedelt wurde?

Gruß, Astrid

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Re: Westwolhynien, Ostwolhynien, Hushcha, Kobilanke

Gerhard König ⌂, Dienstag, 17.07.2007, 21:31 (vor 6871 Tagen) @ Marina Jakobi

Gibt es im Internet für die Umsiedlungen 1944 eine ähnliche Datenbank wie
die Resettlements 1939 bei galizien-online?

In der Odessa-Datenbank wähle die Rubrik "War Records". Diese Daten stammen von dem verfilmten Teil der EWZ-Unterlagen.

Diese sind ja ebenso über die EWZ erfasst und im Bundesarchiv einzusehen.

Es gibt 3 bekannte Standorte der EWZ-Unterlagen: die BAs Berlin und Koblenz und das Sonderarchiv in Moskau. Für Jedermann einsehbar ist nur der kleinste Teil - siehe Abschnitt BA Koblenz im Leitfaden.

gerhard

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Re: Hushcha

Gerhard König ⌂, Dienstag, 17.07.2007, 21:56 (vor 6871 Tagen) @ Marina Jakobi

Sind einige der ehemaligen deutschen Siedlungen erhalten geblieben?

Nur die wenigsten Ortschaften, die nach dem WWII von den Einheimischen bewohnt bzw. die Grundstücke die genutzt wurden, sind erhalten geblieben. Alles, was den Krieg überlebte, an die Deutschen erinnerte und leer stand, wurde Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre von den neuen Machthabern dem Erdboden gleich gemacht. Im vergangenen Jahr unterhielt ich mich mit Augenzeugen z.B. in Beresk.

Ob Orte erhalten geblieben sind, kann wie folgt festgestellt werden:

  • eine aktuelle ukrainische Karte der heutigen Oblast erwerben oder
  • auf den russischen topographischen Karten vergleichen (s. Abschnitt Karten auf unserer Webseite)

Wenn Du Dir sicher bist, daß Dein gesuchter Ort "Hushcha" mit dem Ort "Huszcza" direkt nordwestlich von Luzk identisch ist, dann kannst Du auch auf das russische Kartenblatt m-35-039 gehen. Am nordwestlichen Ortsrand von "ЛУЦК" ist "ГУЩА" eingezeichnet.

gerhard

Westwolhynien, Ostwolhynien, Hushcha, Kobilanke

Annette Riewe @, Mittwoch, 01.06.2022, 15:34 (vor 1439 Tagen) @ Marina Jakobi

Hallo,

die Frage ist zwar schon ziemlich alt, aber auch ich habe den Ort "Kolonie Kobylanka", Heimtal, Shitomir als Geburtsort meines Ur-Großvaters in deutschen Dokumenten gefunden.
------
Wenn ich richtig "gesucht" habe, ist es heute ein "Lost-Place" in der Nähe von Strybiez, westlich von Shitomir.
Diese Geo-Daten fand ich in einer Ortsliste des SGGEE Volhynian Gazetteer.
Die Koordinaten sind demnach:
Kobyljanka Kol. (-/lost), Zhytomyr, Zhytomyr, Ukraine 50.3923 28.1925 S-2 (Кобылянка)


Zu Heimtal sind in dieser Liste folgende Daten hinterlegt:
Heimtal/Klein&Mittel-Carolinchen Kol. (Stara-Buda Kol./Yasenivka), Zhytomyr, Zhytomyr, Ukraine 503419 281120 S-1 Старая-Буда Кол. Ясенівка

Bin ich auf der richtigen Spur?

Danke und Grüße
Annette

Link zu einer alten top. Karte der Gegend:
http://maps.mapywig.org/m/WIG_maps/series/100K/P47_S46_PULINY_1931.jpg

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Kobyljanka

Irene König ⌂ @, Donnerstag, 02.06.2022, 12:50 (vor 1438 Tagen) @ Annette Riewe

Hallo Annette,

die Koordinaten sind nicht richtig. Kobyljanka lag in der Wolost Goroschki (auch Wolodarsk Wolynsk genannt), etwa 7 Werst nordwestlich davon. Inzwischen gibt es mehr Karten im Netz und auch eine Karte, auf der die Kolonie eingezeichnet ist. Allerdings auf Russisch. Die Koordinaten sind 50.634757, 28.352155.

Russische 2-Werst-Karte
http://www.etomesto.ru/map-ukraine_dvuhverstka-sever/?x=28.352155&y=50.634757

Gruß, Irene

Kobyljanka

Annette Riewe @, Donnerstag, 02.06.2022, 13:25 (vor 1438 Tagen) @ Irene König

Super, genau nach so etwas habe ich gesucht. Lieben Dank.

Stimmen die Koordinaten, die beim SGGEE zu Heimtal stehen?

Grüße Annette

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Koordinaten Heimtal

Gerhard König ⌂, Donnerstag, 02.06.2022, 14:14 (vor 1438 Tagen) @ Annette Riewe

Stimmen die Koordinaten, die beim SGGEE zu Heimtal stehen?

Ja, bin mehrmals in dem Ort gewesen. :okay:

Gruß, Gerhard

Koordinaten Heimtal

Annette Riewe @, Donnerstag, 02.06.2022, 17:28 (vor 1437 Tagen) @ Gerhard König

:-) Danke

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