Re: Spass in Wollhynien

Hedi Spangenberg, Mittwoch, 10.05.2006, 20:15 (vor 7277 Tagen) @ Carlos C Hennig


Als Antwort auf: Spass in Wollhynien von Carlos C Hennig am 06. Mai 2006 05:44:15:


Spaß in Wolhynien
Über meine Vorfahren in Rozyszcze kann ich zum Thema ?Spaß? und ?Tanz? in den Jahren um 1915-1930 einige Erinnerungen aus Erzählungen meiner Mutter berichten. Diese Erinnerungen betreffen die Jugendzeit meiner Eltern und deren Geschwister. Meine Mutter ist, Slowena KOTYK, 1907, verheiratet mit Paul Wilhelm SCHIELE, *1903, beide lebten in Rozyszcze bis 1939.

Meine Cousine Else Kotyk, über 20 Jahre älter als ich, trug folgendes zu diesem Thema bei: Tanzen galt als Sünde (wie im früheren Beitrag von Irene schon geschrieben) und ihr Vater, *1894, wäre nur einmal hingegangen.
Also es gab Tanzveranstaltungen!
Meine Mutter erzählte mir, daß sie immer die Hemden der älteren Brüder bügelte (mit Holzkohlebügeleisen - Kragen stärken!), wenn diese ausgehen wollten.
?Ausgehen? schloß wohl Tanzen ein!
Meine Mutter erzählte, daß ?Tanzen? nicht das bedeutete, was es in unserer Zeit bedeutet. Es fand überwiegend in den Häusern der Leute, die Kinder im betreffenden Alter hatten, statt. Die Jugend kam zusammen und wer ein Instrument spielen konnte, der brachte es mit. Es wurde musiziert und gesungen und wahrscheinlich auch getanzt. Mein Vater zum Beispiel konnte Geige spielen und hatte für diese Gelegenheiten außerdem ein Heft, in dem er Gedichte und Liedtexte sammelte. Er konnte alle auswendig und trug sie auch gern bei solchen Feiern vor. Diese Feiern hießen ?Sabawa? und es nahmen nicht nur Deutsche daran teil, sagt Else KOTYK. Ihr fiel als Freizeitbeschäftigung noch der Posaunenchor und der Handarbeitskreis bei Pastor Henke ein. Stummfilm hat sie zum ersten Mal 1933/34 gesehen.
Meine noch in Westpreußen geborene Urgroßmutter hat bei einer Hochzeit viel getanzt, und wurde sehr bewundert, da sie es besser konnte wie die jungen Leute ? kein Wunder, wenn Tanzen in Wolhynien nicht geschätz wurde!
In der Nähe von Wolnianka, Rozyszcze gab es einen, vielleicht als Festplatz zu bezeichnenden Platz, der eine Holzdiele zum Tanzen hatte. Eine große Schaukel war auch dort.
Einmal fuhr meine Mutter mit anderen Jugendlichen aus der Wolnianka in einem Boot zu einer wie oben beschriebenen Feier auf der anderen Seite des Styr und wäre beinahe ertrunken, als man aus Übermut mit dem Boot zu sehr schaukelte. Es war Winter und sie und ein weiteres Mädchen (Elsa?, die eine erstaunliche Oberweite hatte, wie meine Mutter an diesem Tage, während die Sachen trockneten, feststellte), wurde mit Stangen aus dem Wasser gerettet.
Meine Tante Käte Kotyk (*1910), verheiratet WEISS, wurde, als sie noch sehr jung war, von einem aus Rozyszcze stammennden Lehrer VOGEL oft zum Tanz abgeholt. Er galt als ?Respektperson? und man vertraute ihm das hübsche Mädchen an ? leider!
Es gab ein Mädchen in der Nachbarschaft meiner Familie, das nach solchen Feiern immer besonders pünktlich zu Hause sein sollte, es aber nie schaffte und Schläge dafür bekam!

Das sind kleine Erlebnisse aus meiner Familie, die ein wenig mit ?Tanzen und Spaß? zu tun haben. Vielleicht trägt dieser Eintrag in das Forum ja sogar dazu bei, Leute zu finden, die auch in dem Boot mit meiner Mutter saßen, auch von der Schaukel im Walde gehört hatten oder denen andere Geschichten aus der Wolnianka von ihren Vorfahren bekannt sind!


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