Ort Heinriette Henriette Henrietta

Karsta Johannes @, Freitag, 26.02.2016, 13:12 (vor 3769 Tagen)

Hallo liebe Forenteilnehmer,
mein Großvater Heinrich Tauber wurde in Heinriette geboren.

Gerhard König hatte mir Folgendes geschickt: https://forum.wolhynien.de/index.php?id=23758
44 Werst von Rowno, 12 Werst von Deraszno

Der kirchliche Suchdienst hat bestätigt, dass in einem Verzeichnis von 1934 der Ort Henrietta zu Derashno (Derazne, Kreis Kostopol) gehörte.

Es muss den Ort gegebn haben, da er so selten ist und ich ihn bei den Verlustlisten gefunden habe, einmal
Heinrich Tauber: 1915-10-04
http://des.genealogy.net/search/show/2985151
Und Heinrich Tauber: 1914-12-02
http://des.genealogy.net/search/show/968977

Er findet sich auch in der Pingoud-Tabelle von 1909 unter Debriza, aber mit 0 Angaben. http://www.wolhynien.de/pdf/1909Pingoud_Tab_a.pdf

Ihr habt mehr Forschererfahrungen und deswegen wende ich mich nocheinmal an euch. Der Ort muss ja um Debriza gelegen haben.

Die Mutter wurde in Rowno geboren, geheiratet in Shitomir, ein Kind wurde in Lyubomirka geboren, ein anderes in Debriza.

Eine ganz dumme Frage: Gab es damals schon so etwas wie Hospitals, wo Kinder geboren wurden oder hat sie sie zuhause bekommen? Hat sie die Kinder bei befreundeten Familien bekommen, um nicht allein zu sein? Gab es Ärzte? Ich frage mich, ob die Familie innerhalb von Wolhynien auch noch hin und herziehen mussten? Oder haben sie in Henrietta gelebt?

Ich schaue mir jetzt Landkarten durch, um den Ort zu finden. Meint ihr, dass das Sinn macht?

Ich würde gerne den Ort einzeichnen, ich wäre froh über eine Meinung. Wie seht ihr das?

Mit freundlichen Grüßen
Karsta

Re: Nachtrag

Karsta Johannes @, Freitag, 26.02.2016, 13:20 (vor 3769 Tagen) @ Karsta Johannes

Ich habe noch etwas vergessen:

Wenn es 1906 14 Höfe gab, aber in der Pingoud-Tabelle mit Daten von 1904/1905 keine Angaben gemacht wurden unter Debriza/Henrietta, bedeutet es, dass es eben 1904 weniger als 10 Höfe gab oder weniger als 5 Höfe? Oder war es vielleicht nur ein einzelner Hof? Wann wurden die Höfe zu einer Siedlung zusammengefasst?

Mein Opa lebte bis 1902 dort.

Liebe Grüße
Karsta

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Re: Kolonie Henriette

Gerhard König ⌂, Samstag, 27.02.2016, 23:19 (vor 3767 Tagen) @ Karsta Johannes

Hallo Karsta,

Es muss den Ort gegebn haben ...

Dass es diesen Ort gegeben hat, habe ich Dir bereits in meinem ersten Posting bestätigt. Einziger offener Punkt: auf welcher Karte ist der Ort eingezeichnet?

.. da er so selten ist und ich ihn bei den Verlustlisten gefunden habe

Diese Verlustlisten sind eine Abschrift aus deutschen Zeitungen, deren Autoren garantiert kein russisches Ortsverzeichnis vorliegen hatten. Ich habe selbst so manche Seite dieser Verlustlisten abgeschrieben und stolperte regelmäßig über merkwürdige Schreibweisen.

Ob der Ortsname selten war, kann ich nicht einschätzen. Dazu war Russland einfach viel zu groß und von diesem großen Land ist mir persönlich bis heute keine vollständige Ortsliste bekannt.

In unserem Forschungsgebiet Wolhynien konnte ich bisher finden:

2x Henrietta im Ujesd/Powiat Rowno und 1x Henrietowka im Ujesd Shitomir. Hinzu kommen eine Vielzahl von Orten mit der russischen Bezeichnung Henrichowka, wo ein deutscher Einwohner vielleicht auch Henriette gesagt haben könnte.

Er findet sich auch in der Pingoud-Tabelle von 1909 unter Debriza, aber mit 0 Angaben.

Dies hattest Du auch vor zwei Wochen geschrieben, aber mir fehlte bisher die Zeit zum Antworten.

Diese Pingoud-Tabelle habe ich selbst erstellt und damals Irene für die Webseite zur Verfügung gestellt. Es ist ein Bericht vom ev.-luth. Konsistorium in St. Petersburg und eine Zusammenfassung der eingegangenen Pastorenberichte. Und in Deinem Fall sogar sehr hilfreich, weil die Gemeindemitglieder aus mehreren umliegenden Orten kamen, aber die nötigen Karten bisher fehlen.

Dieser Eintrag beschreibt eine Kirchgemeinde mit Gemeindegliedern aus den Kolonien Debritza (russ. Дебрица) und Henrietta (russ. Генріета). Aus der russ. 2-Werst-Karte XXVIII-20-Deraschno von 1915 ist dieser Ausschnitt

[image]

Auf diesen 2-Werst-Karten verweisen eingezeichnete Friedhöfe auf luth. Gemeinden. Ein kleines Viereck mit einem Kreuz- oder Pluszeichen und beschriftet in Kursivschreibweise mit Лют. zeigt die jeweiligen Standorte.

Auf dem Kartenausschnitt sind die luth. Friedhöfe von Debritza und Perelysjanka zu finden. Das Zeichen links im Wald und die Beschriftung sehen ähnlich aus, aber es ist ein Forsthaus.

Zu den gefundenen Orten in Rowno

1888 russisches Ortsverzeichnis Gouv. Wolhynien:
Henrietta, Kolonie im Wolost Deraschno, Ujesd Rowno mit 48 Einwohnern

1906 russisches Ortsverzeichnis siehe alter Beitrag

1921 polnische Volkszählung:
Henrietta, futor in der Gmina Derażne, Powiat Równe mit 1 Hof und 7 Einwohnern. Alle 7 haben polnische Nationalität und röm.-kath. Konfession angegeben.
Henrietta, Kolonie in der Gmina Derażne, Powiat Równe mit 7 Höfen und 41 Einwohnern.
Nach Nationalität: 30x polnisch, 6x russisch, 5x deutsch
Nach Konfession: 30x röm.-kath., 6x russ.-orth., 5x ev.-luth.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ist dieser Futor eine der 5 Außenstellen von 1906 und wird 1921 als Ort gezählt, da ständig bewohnt.

Um 1925/26 sah die Gegend auf der polnischen topographischen Karte P45-S42-Derazne so aus

[image]

Die südliche Nachbarkolonie Perelysianka ist etwas kleiner dargestellt und von Debryca gibt es jetzt die Kolonien Wielka Debryca und Mała Debryca und dazu ein Futor und noch ein Forwerk.

Es bleibt die Frage: an welcher Stelle gab es die zwei Orte Henrietta?

gerhard

Re: Kolonie Henriette

Karsta Johannes @, Sonntag, 28.02.2016, 12:27 (vor 3767 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard,
danke für deine Mühe und die Aufschlüsselung. Das hat mir sehr geholfen!

Auf alle Fälle sollte "das" Henrietta in der Nähe von Derashno sein. Debriza ist heute auf der Karte auch nicht mehr zu finden. In der Familie wurde immer dazugesagt: Kreis Rowno.

Ich kann mir vorstellen, dass es ein einzeln stehender Hof war, denn in dieser Linie haben die Vorfahren oft in einem "Abbau" von einem Ort gewohnt oder in ganz kleinen Siedlungen. Sie waren trotz Fleiß und Strebsamkeit immer sehr arm und vom Schicksal gebeutelt. Daher könnte es auch sein, dass es dieser einzelne Hof ist (obwohl dort Katholiken angegeben sind). Meine Vorfahren waren ev-luth. Aber da sie 1902 fortgegangen sind, stand dieser Hof dann vielleicht leer.
Es ist auch überliefert, dass kein Kind zur Schule dort gegangen sein soll, eben eventuell weil eine Schule zu weit fort war.

Nun werde ich die ungefähre Lage einzeichnen können, vielen Dank!
Ich gebe aber nicht auf, alte Karten nach dem Ort zu durchforsten... :-)

Liebe Grüße von Karsta

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