Reichsangehörigkeit

Marco Klepatz @, Montag, 11.01.2016, 12:27 (vor 3815 Tagen)

Besteht für die Deutschen die in Wolhynien (Rowno) lebten nach RuStAG vom 22.06.1913 die unmittelbare Reichsangehörigkeit?

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Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Irene König ⌂ @, Montag, 11.01.2016, 14:31 (vor 3815 Tagen) @ Marco Klepatz

Generell? Natürlich nicht.

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Marco Klepatz @, Montag, 11.01.2016, 15:33 (vor 3815 Tagen) @ Irene König

Ich Danke Ihnen erstmal für ihre Antwort. Ich bin auf der Suche nach meiner Saatsangehörigkeit. Meine beiden Urgroßväter kommen aus Kostopol und Postoine. Ich stehe erst am Anfang meiner Recherchen. Nach RustAG
(RuStAG) 02 vom 22. Juli 1913
§1. Deutscher ist, wer die Staatsangehörigkeit
in einem Bundesstaat (Inland/Heimat Bsp. Preußen, Sachsen usw.)
oder die unmittelbare(Ausland/Kolonie)
Reichsangehörigkeit besitzt.
Jetzt stellt sich mir die Frage waren meine Urgroßväter unmittelbare Reichsangehörige und somit Deutsche?

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Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Irene König ⌂ @, Montag, 11.01.2016, 16:23 (vor 3815 Tagen) @ Marco Klepatz

Was genau mit "Ausland/Kolonie" im Zusammenhang mit der unmittelbaren Reichsangehörigkeit gemeint ist, diese Frage klären Sie bitte in den einschlägigen Foren!

Ihre Urgroßväter lebten 1913 im Russischen Kaiserreich, das ist alles, was man feststellen kann. Es gab einige wenige Deutsche, die in Wolhynien lebten UND (in den Kirchenbüchern) als preußische Untertanen benannt wurden. Der überwiegende Teil der Deutschen in Wolhynien ist im 20.Jhdt. aus Kongreßpolen (und nicht aus Deutschland) nach Wolhynien eingewandert. Viele haben die russische Staatsbürgerschaft angenommen (oder besaßen sie bereits), was wohl eine Voraussetzung war, wenn man Land erwerben wollte.

Sie können hier im Forum gerne Fragen zur Familienforschung stellen, wenn es Sie interessiert, woher Ihre Vorfahren kamen, auch wenn ich nicht garantieren kann, dass das gelingt. Dazu bräuchten wir aber nähere Angaben zu Ihren Urgroßeltern.

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Marco Klepatz @, Montag, 11.01.2016, 18:30 (vor 3814 Tagen) @ Irene König

Als Erstes werde ich mal alles zusammentragen was ich finden kann.Ich danke Ihnen sehr für Ihre Hilfsbereitschaft. Also Wolhynien war Anfang des 20. Jahrhunderts keine Kolonie des Dt. Reiches, sondern russisches Staatsgebiet. Das ist doch schon mal eine Aussage.

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Dieter Gerhard Weiss @, Donnerstag, 04.02.2016, 19:41 (vor 3790 Tagen) @ Irene König

Hallo Irene,
ein sehr interessantes Thema. Die Geschwister meines Großvaters haben in diversen Unterlagen immer unterschiedliche Angaben zur Staatsangehörigkeit gemacht. Sie kamen auch aus Mittelpolen 1880 nach Wolhynien und die meisten haben es ca. 1904/05 wieder verlassen. Die meisten gingen nach Westpreussen, einige direkt weiter nach Argentinien, andere nach USA. Dort habe ich dann mal in den Schiffspapieren gelesen Deutscher, mal Russe ohne es genau zu verstehen.
Im Internet hatte ich gelesen, dass die meisten Volksdeutschen um die Jahrhundertwende per Dekret Russen wurden, wenn sie keinen deutschen Pass vorweisen konnten. Da die meisten sich in Wolhynien wohl kaum um einen Pass gekümmert hatten, wurden sie per Definition Russen und damit wehrpflichtig. Das ist vermutlich auch der Grund, wieso die Familie "abgehauen" ist, ob offiziell oder als Nacht und Nebelaktion ist mir nicht bekannt. Lediglich einen Bruder meines Großvaters hat es erwischt und er musste in die Mandschurei gegen Japan ziehen. Das war dann auch vermutlich der Grund, wieso meine Urgroßmutter weiter in Wolhynien blieb. Eine Schwester meines Großvaters, die nachweislich 1904/05 mit nach Westpreussen ging, hat dann plötzlich 1913 in Lodzianowka einen Sohn geboren. Ich kann nur vermuten, dass sie zurück ging um ihre Mutter raus zu holen, die dann ab 1914 auch in Preussen war.

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Johanna Nagel @, Freitag, 05.02.2016, 12:12 (vor 3790 Tagen) @ Dieter Gerhard Weiss

Bei mir so ähnlich. Meine Verwandten kamen nach dem ersten Weltkrieg von Wolhynien nach Deutschland und vorher von Polen, das damals ebenfalls russisch war, nach Wolhynien.
Das muss so um 1918 gewesen sein, als sie nach Deutschland kamen. Sie hatten keine Papiere.
Die Papiere mussten erst mühsam neu in Berlin ausgestellt werden.
Der betreffende Pastor aus Wolhynien, der dazu etwas hätte sagen können, war verstorben.
Die zuständige Kirche war in Heimtal.
Die Einbürgerung zog sich bis 1932 hin. Das habe ich erst später erfahren.
Ich warte noch auf die Dokumente. Habe ich vor drei Wochen angefordert.
Meiner Meinung nach müssen sie von 1918 bis 1932 staatenlos gewesen sein.
Vorher waren Sie bestimmt Russen und wohl auch noch kurze Zeit Sowjetbürger.
Vor der Ausreise wurden die Papiere wohl, soweit überhaupt vorhanden, einkassiert.Damit waren sie staatenlos.
Alle Reichsangehörigen hatte man aus Wolhynien schon vorher ausgewiesen oder sie zu Russen gemacht.Die unmittelbar Reichsangehörigen gab es in Wolhynien zu der Zeit eigentlich gar nicht mehr.

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Tom Brecht @, Mittwoch, 09.03.2016, 17:36 (vor 3756 Tagen) @ Johanna Nagel

Hallo an alle,

mein Urgroßvater und seine Familie waren 1914 in Worms bei Odessa, Russland
Reichsdeutsche und wurden wie alle Anderen Reichsdeutschen im 1. Weltkrieg deportiert.
Zuerst die Männer, später die Frauen und Kinder meist zum Ural und nach Sibirien.

Die Familien seiner Frau waren russische Staatsbürger und hatten bereits bei ihrer Einwanderung nach Russland zwischen 1803 bis 1819 die russische Staatsbürgerschaft aktiv angenommen durch Untertaneneid und wurde dafür auf ca. 60 ha Staatsland als Kolonisten angesetzt. Die Deutschen mit Russischer Staatsbürgerschaft blieben 1914 alle in ihren Häusern. Ca. 95 % der Schwarzmeerdeutschen hatten Russischer Staatsbürgerschaft.

1919 mussten die Reichsdeutschen Optionieren für Russischer Staatsbürgerschaft oder das Land verlassen. Darüber gab es oft in den Familie viel Streit.
Mein Urgroßvater ging mit 3 Söhnen 1919 nach Deutschland.
Seine Frau und seine 4 weiteren Kinder blieben in Russland und wurden sowjetische Staatsbürger, was sie später sehr bereut haben.

Stalin hat später alle Schwarzmeerdeutschen ohne Unterschied deportiert,
sogar aus Brandenburg sind 1945 Schwarzmeerdeutschen mit sowjet. Pass in Viehwagons nach Sibirien depotiert worden. Viele Familienmitglieder haben wir nie wieder gesehen.

In Wolynien waren meist alle Siedler Pächter und preußische Staatsbürger. Sie wurden auch deportiert, wenn sie nicht schon 1939 nach Deutschland gegangen sind.

Soweit meine Familiengeschichte
Tom

Re: unmittelbare Reichsangehörigkeit

Stefan Rückling @, Bad Freienwalde (Oder), Mittwoch, 09.03.2016, 19:21 (vor 3756 Tagen) @ Tom Brecht

Hallo Tom,

... wobei in Wolhynien nur wenige Siedler die preußische Staatsbürgerschaft hatten - einfach aus dem Grund, weil sie oder ihre Vorfahren in den meisten Fällen nicht aus Preußen, sondern aus Polen nach Wolhynien eingewandert waren.

Viele Grüße,

Stefan

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