August Müller / Schitomir

Antje Stürmer @, Donnerstag, 10.12.2009, 21:55 (vor 6030 Tagen)

Hallo alle zusammen,

ich habe mir neu in diesem Forum angemeldet.

Auf der Suche meiner Vorfahren bin ich über Pommern/Westpreussen nun bis zum Geburtsort meines Ur-Grossvaters vorgestossen.

August Müller ist am 29.9.1878 in Schitomir bei Kiew geboren.
Er selbst hat seinen Geburtstag immer 14 Tage früher gefeiert, als es auf der Urkunde stand, weil zu der Zeit in Russland das Jahr 2 Wochen später anfing.
Dorthin waren seine Eltern (vielleicht auch schon die Großeltern)
auf Einladung des russischen Zaren hingezogen und hatten Land erhalten.

Sein Vater war Karl Müller *07.06.1851+1890 oo Wilhelmine Charlotte Krinke *26.12.1859
Dessen Vater war Michael Müller *07.09.1822 oo Julia Augusta Kroll *10.11.1826.

Die Vorfahren sollen aus dem Schwäbischen in die Ukraine gekommen sein.
Wer kann mir weiterhelfen oder Tipps geben wie ich an weitere Informationen kommen kann?

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Re: August Müller / Schitomir

Gerhard König ⌂, Donnerstag, 10.12.2009, 23:14 (vor 6030 Tagen) @ Antje Stürmer

Hallo Antje,

willkommen im Wolhynien-Forum. :-)

August Müller ist am 29.9.1878 in Schitomir bei Kiew geboren.

Gibt es dazu eine Urkunde? Wenn ja, würde ich gern mal drauf sehen. Die Angabe 'Schitomir bei Kiew' klingt interessant, ist aber ungenau. Die Entfernung zwischen beiden Orten beträgt etwa 150 km. Daher schließe ich daraus, daß die Angaben nicht in Wolhynien gemacht wurden.

Er selbst hat seinen Geburtstag immer 14 Tage früher gefeiert, als es auf der Urkunde stand ...

Zum Zeitpunkt seiner Geburt galt ein anderer Kalender. Vor 1900 war die Differenz zwischen Julianischem und Gregorianischem Kalender 12 Tage. Nach 1900 waren es 13 Tage. In Russland galt der Gregorianische Kalender ab 1918. (vgl. Eintrag von Irene v. 13.1.2008)

Lt. Kirchenbuchabschrift heißt sein Geburtseintrag:

Müller, August * 16.9. ~ 1.10.1878 in Horod___ (?); Sohn von Landmann Müller, Carl & Krinke, Wilhelmine (KBZ Shitomir Geburten 1879, S.557, Nr.667)

Beim Geburtsort ist lt. Deinen Angaben der Kirchspielort gemeint. Geboren ist August in einem anderen Ort. Nur diesen kann ich nicht genau entziffern. In der Odessadatenbank heißt es 'Haedritke (?)'. In den Onlinebüchern des Jahres 1879 hat auf der Seite 557 Pastor Wasem etwas sehr flüchtig geschrieben. Auf den Seiten davor ist es eine andere Handschrift. Es könnte der Ort 'Horodnitza' oder 'Gorodnitza' sein.

Sein Vater war Karl Müller *07.06.1851 +1890 oo Wilhelmine Charlotte Krinke *26.12.1859
Dessen Vater war Michael Müller *07.09.1822 oo Julia Augusta Kroll *10.11.1826.

Woher stammen diese genauen Angaben? Gibt es dazu auch Urkunden und Ortsangaben?

gerhard

Re: August Müller / Schitomir

Antje Stürmer @, Freitag, 11.12.2009, 00:21 (vor 6030 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard,

vielen Dank für Deine Schnelle Antwort :-)

Ich habe leider bislang keinerlei Originalurkunden.
Die Daten habe ich von meiner Grosstante (Cousine meines Vaters) erhalten.
Der Jüngste Sohn von August Müller hatte seinerseits die Familiendaten gesammelt und zusammengetragen.
Meine Tante hat die Aufzeichnungen von Ihm vorliegen.
Die Sütterlin-Handschrift ist für Sie nicht immer leicht zu entziffern.

In wieweit Originalurkunden vorhanden sind muss ich bei Ihr nachfragen.

August Müller leistete seinen Wehrdienst in Preussen ab und blieb danach in Preussen.

Er heiratete dort Susanne Hesse in Bukowitz/Kr Marienwerder/Westpreussen

Nach dem 1. Weltkrieg mussten Sie Westpreussen verlassen und siedelten sich in
Schwetzkow/Kr Stolp/Pommern an.

Nachdem die Russen 1945 einmarschierten, blieben Sie zwar dort, siedelten dann einige Jahre später in den Westen über.

In den ganzen Kriegswirren und Umsiedelungen sind leider viele Urkunden verloren gegangen.
Ich werde mich bemühen die Sterbeurkunde von August Müller in Kopie zu bekommen.

Bin jetzt auch gespannt was in der Sterbeurkunde als Geburtsort steht.

Wie komme ich an weiter Daten von möglichen Geschwistern von August Müller.

Ganz spannend wäre auch zu wissen, woher aus Schwaben ( wenn das wirklich stimmt)
meine Vorfahren in die Ukraine ausgewandert sind und wer das genau war.

Meine Tante erzählte auch, dass zwei Brüder von Carl Müller um die Jahrhundertwende nach Nord-und Südamerika ausgewandert sind.
Carl Müller wurde in Bremerhafen wegen Krankheit abgewiesen.

Warum wollten Sie auswandern, was geschah Politisch in Wolhyien. Waren die Deutschen dort nicht mehr willkommen, oder waren es wirtschaftliche Beweggründe?
Leider habe ich noch keinen Überblick über die politischen Abläufe in Wolhyien.

Momentan hab ich eher Familiengeschichten als Fakten, versuche aber die Lücken zu schliessen.
War aber ganz glücklich eine Fährte in der Ahnenforschung aufzuspüren.

Vielen Dank für die Mühe

Gruss Antje

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Re: August Müller + Ort Horod ...

Regina Steffensen, Freitag, 11.12.2009, 18:51 (vor 6029 Tagen) @ Antje Stürmer

Hallo Antje,

Müller, August * 16.9. ~ 1.10.1878 in Horod___ (?)...

der Geburtseintrag Deines Ur-Gorßvaters steht in den Kirchenbuchzweitschriften auf der Seite 557. Wenn man den Weg von Pastor WASEM etwas verfolgt, ergibt sich folgendes Bild:

Seite 554: Er bestätigt am 7.6.1879 Geburten in Kopanetz
Seite 555: Bestätigungen in Gorodnitza am 8.6.1879
Seite 556: Bestätigungen in Horodnitza ohne Datumsangabe
Seite 557: Bestätigungen in Horodnitza ohne Datumsangabe
Seite 557: Bestätigungen in Friedrichsdorf am 10.6.1879

Friedrichsdorf heißt auch Solomka und liegt auf der Lück-Karte im Quadrat E3, Horodnica ( = Horodnitza = Gorodnitza ) im Quadrat D4 und Kopan ( = Kopanez ) im Quadrat C5.

Angaben aus der russischen Ortsliste von 1906:

Kolonie Horodnitza, Wolost Jaroslawitsch, Ujesd Dubno, Post Luzk
115 Einwohner, 33 Werst bis Dubno, 4 Werst bis Jaroslawitsch (auf der Lück-Karte = Jaroslawiczy)

Und so befinden wir uns plötzlich - sehr weit weg von Shitomir und Kiew - im Kreis Dubno.

Horodnitza gehörte bis 1888 zum Kirchspiel Shitomir, von 1888 bis 1902 zum Kirchspiel Tutschin ( = Tuczyn ) und ab 1902 Kirchspiel Rowno und liegt außerdem nur ca. 14 km von der Stadt Luzk entfernt.

... zwei Brüder von Carl Müller ...

In meinen Notizen habe ich folgenden Heiratseintrag gefunden aus dem KB Luzk, Heiraten 1912 / Nr. 372 (nachträglich ausgestellte Heiratsurkunde):

MÜLLER, Philipp, 24 Jahre, ledig, Wohnort Horodnica, Geburtsort Horodnica
Sohn von MÜLLER, Jakob & KRAUSHAAR, Rosalie
oo am 3.1.1912 in Luzk
SCHMIDT, Katharina, 19 Jahre, ledig, Wohnort Wygoda, Geburtsort Wygoda
Tochter von SCHMIDT, Ludwig & SAUDER, Christine
[Quelle: Archiv Historischer Verein Wolhynien e. V.]

Vom Alter her gesehen könnte der Vater Jakob MÜLLER ein Bruder von Karl MÜLLER sein, und der Wohnort paßt auch ! ;-)

Regina

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Re: August Müller + Ort Horod ...

Antje Stürmer @, Freitag, 11.12.2009, 23:50 (vor 6029 Tagen) @ Regina Steffensen

Hallo Regina,

vielen lieben Dank für Deine Recherche. :-)

Ich bin im Umgang mit der Odessa-Datenbank bislang kläglich gescheitert :-(

Ich würde mir gerne einen ersten Überblick über die Wolhyien Deutschen,
ihre Geschichte, Hintergründe,Lebensweise u.ä. verschaffen.
Kann mir jemand Literatur zu diesem Thema empfehlen?

Gibt es womöglich Listen, in denen die Anwerbung der
Umsiedler aus Deutschland dokumentiert wurden?
Wer wann wie viel Land erhielt.


Liebe Grüsse
Antje

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Re: Odessa-Datenbank u. Literatur

Regina Steffensen, Sonntag, 13.12.2009, 21:18 (vor 6027 Tagen) @ Antje Stürmer

Hallo Antje,

Ich bin im Umgang mit der Odessa-Datenbank bislang kläglich gescheitert

Hier eine Anleitung zum Umgang mit der Odessa-Datenbank.

Ich würde mir gerne einen ersten Überblick über die Wolhyien Deutschen,
ihre Geschichte, Hintergründe,Lebensweise u.ä. verschaffen.
Kann mir jemand Literatur zu diesem Thema empfehlen?

Der beste Einstieg sind die Wolhynischen Hefte. Hier noch verschiedene Bücherlisten mit weiterer geeigneter Literatur.

Gibt es womöglich Listen, in denen die Anwerbung der
Umsiedler aus Deutschland dokumentiert wurden?
Wer wann wie viel Land erhielt.

Mir sind keine bekannt.

Regina

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Re: August Müller / Schitomir

Antje Stürmer @, Mittwoch, 03.02.2010, 00:45 (vor 5976 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard König

Gibt es dazu eine Urkunde? Wenn ja, würde ich gern mal drauf sehen. Die Angabe 'Schitomir bei Kiew' klingt interessant, ist aber ungenau. Die Entfernung zwischen beiden Orten beträgt etwa 150 km. Daher schließe ich daraus, daß die Angaben nicht in Wolhynien gemacht wurden.

Mittlerweile habe ich die Original-Aufzeichnungen Des Sohnes Heinz August Müller.
Er hatte einen Stammbaum handschriftlich aufgesetzt.

Wie kann ich Dir bzw Regina Steffensen meine Scans zukommen lassen.

Hinter der Geburtseintragung Shitomir steht ein weiterer Ort, den ich aber nicht entziffern kann. Bin in Sütterlin nicht so fit.

Der Kirchenbucheintrag Nr. 667 findet sich auch in den Eintragungen von Heinz August Müller.

Liebe Grüsse
Antje Stürmer

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Re: August Müller / Schitomir

Gerhard König ⌂, Mittwoch, 03.02.2010, 06:15 (vor 5975 Tagen) @ Antje Stürmer

Wie kann ich Dir bzw Regina Steffensen meine Scans zukommen lassen.

Moin Antje,

Du kannst meine Emailadresse lt. Impressum verwenden.

gerhard

Re: August Müller / Schitomir

Antje Stürmer @, Mittwoch, 10.02.2010, 22:10 (vor 5968 Tagen) @ Gerhard König

Hallo Gerhard, Hallo Regina,

ich habe die Scans und bisherige Übertragung der Daten in die lateinische Schrift
an die impressum-Mail-Adresse geschickt.

Hoffentlich war die Datenmenge nicht zu gross ;-)

Vielleicht reicht es für weitere Puzzlestücke,
ansonsten war es einen Versuch wert.

Viele Grüsse
aus Karlsruhe
Antje Stürmer

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Re: Aufzeichnungen von Heinz August Müller

Regina Steffensen, Mittwoch, 10.02.2010, 22:16 (vor 5968 Tagen) @ Antje Stürmer

Hallo Antje,

Deine Scans der Aufzeichnungen von Heinz August Müller sind angekommen, ich habe eine Kopie der E-Mail von Gerhard erhalten. Vieles ist wirklich sehr schlecht zu lesen, aber ich versuche einfach mal, einige der unterstrichenen Ausdrücke zu entziffern.

Seite 9, Nr. 2:
MÜLLER, August * 29. (16.). 9. 78 in Schitomir, Kiewner Gub.
Sohn des Karl MÜLLER und der Wilhelmine geb. KRINKE.
Pfarramt: Schitomir , Tauf-Reg.-Nr. 667

Wahrscheinlich konnte Heinz August Müller den Geburtsort in den Kirchenbuchzweitschrift von Shitomir (er hat sogar die Eintrags-Nr. 667 angegeben) auch nicht lesen und hat ihn deswegen umschrieben, sich dabei aber etwas vertan.

Seite 9, Nr. 3:
Beurkundung beim Standesamt Eichberg, Geb.-Reg.-Nr. 81
Pfarramt: Hochzeit

Seite 10, Nr. 5:
KRINKE, Wilhelmine Charlotte * in Notec, Kreis Kolo
Beurkundung beim Standesamt Samgolno (vermutlich Sompolno), Geb.-Reg.-Nr. 23

Dazu ein Eintrag aus der Datenbank der SGGEE:

KRINKE, August * 3.2.1864 Noc (Notec), Konin, Wielkopolskie, Poland
(KRINKE, Ludwig * ca. 1825 & BELTER, Dorothea * ca. 1826)

Nach einigen der markierten Orte kannst Du im Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 suchen.

Regina

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Re: Aufzeichnungen von Heinz August Müller

Antje Stürmer @, Mittwoch, 10.02.2010, 22:45 (vor 5968 Tagen) @ Regina Steffensen

Hallo Regina,

vielen Dank für Deine/Eure Hilfe :-)

Ich muss jetzt erstmal alles sortieren und weiterschauen wo und wie ich ansetzen kann.

Ich denke auch das die Geburtsbezeichnung Kiewner Gub nicht stimmig sein kann.
Der Eintrag in der Odessadatenbank, den Du/Ihr gefunden habt macht einfach mehr Sinn.

Ich bin nachhaltig beeindruckt von Euren schnellen Antworten und dem abgleichen in den Datenbanken.

Die Wolhynien-seite ist auf jedenfall SEHR gelungen und ich konnte mir dadurch einiges Hintergrundwissen aneignen.

Liebe Grüsse und nochmal VIELEN DANK
Antje Stürmer

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Re: Aufzeichnungen von Heinz August Müller

Gerhard König ⌂, Donnerstag, 11.02.2010, 05:02 (vor 5967 Tagen) @ Antje Stürmer

Hallo Antje,

vorab Dankeschön für Deine lobenden Worte. :cool:

Regina schrieb:

MÜLLER, August * 29. (16.). 9. 78 in Schitomir, Kiewner Gub.
Sohn des Karl MÜLLER und der Wilhelmine geb. KRINKE.
Pfarramt: Schitomir , Tauf-Reg.-Nr. 667

Den Registereintrag 667 habe ich mir mal angesehen:

* 16.9.1878 um 6 Uhr ~ 1.10.1878 vom Lehrer WEGNER in Hara~ oder Hae~ (unsicher), bestätigt von Pastor WASEM am 8.6.1879, Sohn von Carl MÜLLER, Landmann und Wilhelmine geb. KRINKE; Paten: August MÜLLER und Caroline WEISS

Zum Geburtsort hatte Dir Regina im Dezember 2009 ausführlich geschrieben.

Die Zuordnung 'Schitomir, Kiewner Gub.' steht für das Kirchspiel und dem Generalgouvernement Kiew-Wolhynien. In zeitlich unregelmäßigen Abständen stand diesem ein Generalgouverneur mit Sitz in Kiew vor. Aus diesem Grund befinden sich auch manche Unterlagen zu Wolhynien im Staatsarchiv Kiew. Michail KOSTIUK schrieb dazu in seiner Dissertation. Ein empfehlenswertes Buch. ;-)

... siehe Bestelliste Historischer Verein (PDF)

gerhard

Re: Aufzeichnungen von Heinz August Müller

Antje Stürmer @, Sonntag, 14.02.2010, 23:50 (vor 5964 Tagen) @ Gerhard König

Danke :yes:
Ich hab mir die Liste als Pdf runtergeladen.
Bestellung des ein oder andern wird bestimmt bald meinerseits kommen ;-)
Grüsse
Antje Stürmer

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